Robert Hartmann will Jugendspieler des FC Wangen für die „Faszination Schiedsrichter“ begeistern

04/12/2017

Quelle Schwäbische Zeitung

Große Karriere als 23. Mann

Robert Hartmann will Jugendspieler des FC Wangen für die „Faszination Schiedsrichter“ begeistern

Robert Hartmann begrüßt Hermann Selbherr, in der Mitte steht Joachim Gambach. (Foto Michael Panzram)

FCW-Vorstand Joachim Gambach holt Bundesliga Schiedsrichter Robert Hartmann

Wenn Nachwuchskicker ein Vorbild vor Augen haben, dann sicherlich ganz überwiegend Spieler wie Lionel Messi, Manuel Neuer, Christian Gentner oder Mario Gomez – Deniz Aytekin oder Felix Brych sind dagegen Namen, die bei einer Umfrage unter jungen Fußballern eher selten bis nie fallen würden. Um das zu ändern, hat sich Joachim Gambach vom FC Wangen etwas einfallen lassen. Das Präsidiumsmitglied holte sich prominente Unterstützung, um den Jugendlichen des Vereins die „Faszination Schiedsrichter“ nahezubringen. Wohl niemand hätte für einen motivierenden Abend besser gepasst als der in Wangen lebende Bundesliga-Schiedsrichter Robert Hartmann.

Ein guter Fußballer ist auch ein guter Schiedsrichter

Joachim Gambach muss beim FC Wangen nur auf die blanken Zahlen blicken, um ein großes Problem begreifbar zu machen. Der FCW hat 850 Mitglieder und stellt gerade einmal sieben Schiedsrichter. „Da haben wir deutlich zu wenig“, macht Gambach unmissverständlich klar. Mit dem in Wangen lebenden Robert Hartmann fand er einen, der sofort zusagte, wie selbstverständlich auf Geld verzichtete und schnell verfügbar war, um Nachwuchsspielern des FC Wangen zu erklären, dass auch als 23. Mann auf dem Fußballplatz eine große Karriere winken könne.

„Wir wollen euch überzeugen und begeistern“, sagt Gambach zu den anwesenden Jugendlichen. Hartmann hält danach ein, was das FCW-Präsidiumsmitglied versprochen hat. „Ich bin der Robert“, stellt der 38-Jährige sich vor, „wenn ihr was wissen wollt, dann fragt mich“. Er sei nicht gekommen, sagt er lachend, um einen langweiligen Vortrag zu halten. Er wolle wissen, was die Nachwuchskicker bewegt. Zuerst ist ihm wichtig zu erklären, dass sich Fußball spielen und als Schiedsrichter pfeifen nicht ausschließe – es passe vielmehr gut zusammen: „Ein guter Fußballer ist auch ein guter Schiedsrichter.“

In die bekanntesten Stadien der Welt

In den folgenden eineinhalb Stunden bekommen die U 13- bis U 15-Fußballer einen tiefen Einblick in das Leben eines Bundesliga-Schiedsrichters. Danach sind die U 16 bis U 19 dran. Auch einige Eltern sind dabei, Funktionäre aus dem Verein ebenfalls – was Gambach so beabsichtigt hat, da er für das Schiedsrichterthema den ganzen Verein sensibilisieren will.

Hartmanns Einblicke unterscheiden sich nicht wesentlich von jenen, die Fußballprofis geben: Mit der Karriere geht es früh los, hartes Training und Disziplin sind selbstverständlich, wer sich durchsetzen will, muss sich gegen große Konkurrenz behaupten. Aktuell gibt es stolze 76 000 Schiedsrichter in Deutschland, 24 davon pfeifen in der Bundesliga. Ein großer Unterschied zu den Fußballprofis ist, dass Hartmann im Hauptberuf bei einer Bank arbeitet. Und: Er kommt offenbar ganz gut ohne Tattoos aus, ohne Glitzer-Glitzer-Bling-Bling und ohne Starallüren. Trotzdem führt ihn seine Karriere in die bekanntesten Stadien der Welt: „Das Camp Nou ist beeindruckend, Old Trafford ebenfalls“, erzählt er.

Führungskraft mit 22 Angestellten

Auch in seinem Leben gibt es Trainingslager, Übernachtungen im Hotel, Fitnesstests – je länger Hartmann erzählt, desto mehr Fragen kommen von den jungen Zuhörern, denen das Interesse ehrlich anzumerken ist. Wie bekannt er sei, wird der Schiedsrichter gefragt. Er könne sich weitestgehend unerkannt bewegen, aber bei Kollegen wie Deniz Aytekin oder Felix Brych sei das durchaus anders, sagt Hartmann, der seit 22 Jahren pfeift.

Ob er einen Lieblingsverein hat? Nein, habe er nicht, aber als Kind sei er auch nicht mit einem Schiedsrichtertrikot herumgelaufen, sagt er mit einem Augenzwinkern. Sein nächster Einsatz in der Bundesliga? Er werde am Samstag Bayer Leverkusen gegen Borussia Dortmund leiten. Aporpos leiten: „Schiedsrichter ist Führungsarbeit“, macht Hartmann klar. Er sei auf dem Platz in einer Position mit 22 Angestellten – gemeint sind die Fußballer der beiden Mannschaften. Den viel diskutierten Videobeweis bezeichnet er als „super Hilfsmittel für uns auf dem Feld“.

Schiedsrichter Neulingskurs beginnt am 9. Januar 2018

Als letzten Motivationsschub nach 90 sowieso schon sehr motivierenden Minuten schenkt Robert Hartmann dem FC Wangen drei Schiedsrichtertrikots. Diese sollen die besten Teilnehmer am nächsten Neulingskurs (9. Januar) des FC Wangen bekommen. Damit vielleicht bald ein paar Nachwuchskicker im Allgäu auch in solch einem Trikot herumlaufen – und später sogar mal Karriere als Bundesliga-Schiedsrichter machen. Dann hätte auch Joachim Gambach eines seiner Ziele erreicht.

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WWK Alexander Rieg

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